Erfahrungsbericht – Zur Lesung mit Vortrag und Diskussion

Eine Reise nach 6 Jahren zurück in die Vergangenheit (Aachen). Dankbar und Froh die Aktion „Wohnzimmerlesung“ von Autorenhelfen in Kooperation mit DocMobile e.V. unterstützt zu haben. Foto: Joy Schalunke – Grafikdesign: Andrea Rick
 
Wohnzimmerlesung mit Deva Manick – Ein Erfahrungsbericht
 
Wenige Tage vor Weihnachten hörte ich in der Bücherzeit des Deutschlandfunk von der Initiative „Autoren helfen“ und der Möglichkeit gegen eine Spende eine Wohnzimmerlesung verschenken zu können. Menschen helfen und ein einzigartiges Geschenk verschenken – eine wunderbare Kombination.
 
Ganz beeindruckt von der Vielzahl von Autoren, die ihre Zeit schenken und mitmachen, war schnell Deva Manick gefunden, dessen Buch „Im Glashaus gefangen zwischen Welten – Ein Leben zwischen zwei Kulturen“, nicht nur ein Bezug zu aktuellen Themen, sondern auch viele neue Einblicke versprach. Dass mit der Wohnzimmerlesung nicht nur die direkt Beschenkten, sondern auch eingeladene Freunde beschenkt werden konnten, ein weiterer schöner Aspekt.
 
Mit einer Email an „Autoren helfen“ angefragt, hat sich Deva Manick schon kurze Zeit später telefonisch gemeldet und nach einem sehr freundlichen Gespräch die Lesung zugesagt. Nachdem ein passender Termin gefunden war, konnten Freunde eingeladen und der Abend der Lesung geplant werden.
 
Den Ablauf stellten wir uns so vor, dass der Autor verschiedene Abschnitte aus seinem Buch vorliest und im Anschluss kurz über die Entstehung und den Prozess des Schreibens spricht. In einem letzten Gespräch vor der Lesung klärte uns der Autor auf, dass es keine klassische Lesung wird. Eine Mischung aus Lesung, freiem Sprechen, Einspielung von Musik und anschließender Diskussion würde uns erwarten. Welch spannende Aussicht.
 
Durch die offene, herzliche und einnehmende Art des Autors ergaben sich bereits vor Beginn der Lesung die ersten guten Gespräche und so erwarteten wir mit rund 30 Gästen mit Spannung den Beginn.
 
Die Lesung stand unter der Frage „Wer bin ich wirklich“. Eine Frage, die sich sicherlich nicht nur Menschen stellen, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen. So ein Gast der Lesung: „Auch mit 80 Jahren stelle ich mir diese Frage noch.“
 
Bereits den Einstieg in die Lesung gestaltete Deva Manick so eindrücklich, dass es ihm gelang uns von der ersten Minute an in seinen Bann zu ziehen.
 
Die Abwechslung von Lesen und freiem Sprechen ließen den Inhalt lebendig werden. Die gelesenen Abschnitte des Buches wurden durch die persönlichen Erzählungen klarer und eindringlicher. Es wurde sehr deutlich, der Autor liest keine Geschichte, er erzählt uns aus seinem Leben. Auch die schwierigsten Zeiten sparte er dabei nicht aus.
Mit diesem Blick in seine Geschichte gibt er uns die Möglichkeit zu verstehen welchen Konflikten er als Mensch, der zwischen zwei Kulturen aufwuchs, ausgesetzt ist und wie dies sein Handeln beeinflusst. Diese Einblicke sind echt, nah, erschütternd und extrem authentisch.
 
Inspirierend und motivierend leitete er in den letzten Teil der Lesung. Deva Manick beschreibt uns, wie er trotz schwieriger Voraussetzungen seinen eigenen Weg in ein selbstbestimmtes Leben gefunden hat. Damit macht er nicht nur Menschen mit ähnlicher Biographie Mut, sondern jedem der eine schwierige Lebensphase durchquert.
 
In der anschließenden Diskussion wird deutlich, dass sich viele in einzelnen Situationen wiedererkennen, etwa in der Beschreibung der Erwartungen der Eltern an die eigenen Kinder. Auch mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen sind wir uns in vielen Erfahrungen nicht fremd.
 
Wir haben an diesem Abend einen tiefen, sehr privaten Einblick bekommen, mit Eindrücken, die sonst im verborgenen bleiben. Mit Deva Manicks Blick hinter die Kulissen müssen wir eigene Einschätzungen und Urteile neu überdenken und anerkennen welche Herausforderungen es für Menschen bedeutet, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen. Viele haben Gespräche über den Abend der Lesung hinaus mit nach hause genommen.
 
Die Lesung hat unsere Erwartungen weit übertroffen und uns auf vielfältige Weise bereichert. Wir hoffen, dass die Aktion weitergeht und viele Menschen eine Wohnzimmerlesung erleben können.
 
Unser besonderer Dank geht an Deva Manick, der die Spende an Doc Mobile e.V. möglich gemacht hat, indem er uns seine Zeit für eine Wohnzimmerlesung geschenkt hat. Darüber hinaus den Weg nach Aachen auf sich genommen und in einer sehr eindrucksvollen Weise von seinen ganz persönlichen Erfahrungen berichtet hat. Wir werden die Lesung noch lange in Erinnerung behalten.
 
Ein herzliches Dankeschön richtet sich auch an das Team von „Autoren helfen“, die dieses Geschenk erst ermöglicht haben. Wir sind wirklich beschenkt worden.