Raus aus der digitalen Maske

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, erinnere ich mich an eine Kommunikation, bei der sich die Menschen noch ins Gesicht schauten, wenn sie miteinander sprachen. Und zwar fernab jeglicher Vorstellungen von der Invasion heutiger Apps und Selfies. Im Folgenden möchte ich nicht die digitale Welt verdonnern, sondern vielmehr die Online-Welt als solche hinterfragen und dazu anregen zu überlegen, inwieweit jeder Einzelne selbst darin gefangen ist oder war.

Hierzu stellte ich mir eines Morgens die Frage, ob die Cyberwelt mit ihren Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram meinen Alltag beeinflusst und ob ich sie tatsächlich brauche. Schnell war mir klar, dass dies zur Vernetzung und zur Kommunikation mit meinem Bekannten- und Freundeskreis nicht der Fall ist. Der private Kreis ruft mich nach wie vor an, wenn es etwas zu besprechen gibt. Wir verzichten bewusst auf einseitige Kommunikation über WhatsApp & Co. Beruflich dienen mir die Plattformen auch nicht, denn der Erstkontakt mit meinen Kunden erfolgt meist über das direkte Gespräch am Telefon. Warum also habe ich mich vor langer Zeit beispielsweise bei Facebook angemeldet? Ich dachte, ich müsste dem Mainstream folgen. In ebendiesem Moment zog auch ich die digitale Maske an und war bereits wenig später, ohne es zu bemerken, gefangen im digitalen Glashaus. All das kostete mich Aufmerksamkeit, Energie und  schließlich wertvolle Zeit.

Nachdem die Erkenntnis in mir gereift war, dass ich all das gar nicht brauche, und ich mich von diesen Plattformen abgemeldet hatte, konnte ich auch innerlich Ade zur digitalen Maske sagen. Seitdem spüre ich eine deutliche positive Veränderung in meiner Offline-Welt, sprich in der Realität. Nicht mehr abhängig vom Netz zu sein und nicht mehr darüber nachzudenken, wie und wo welcher Post bei der Community ankommt oder nicht, ist eine Freiheit, die ich vor Betreten der Online-Welt bereits besaß, die ich dann aber für eine Weile aus den Augen verlor.

Manchmal trügt der Schein vom „Influence“-Status, denn hinter den Kulissen steht dafür ein Preis, den viele mit schwindender Gesundheit, Stress, psychischer Belastung und einem Mangel an Zeit zahlen. All das wird nicht nach außen gezeigt, denn das wäre konträr zu der Leichtigkeit, die man in der Cyberwelt verkörpert.

Viele Kinder und Jugendliche wachsen heute in und mit der Cyberwelt auf. Und vielleicht wird es für sie niemals ein Entkommen geben. Letztlich ist die Dosis entscheidend und ein jeder sollte sich immer mal wieder die Frage stellen, ob er bestimmte Plattformen zum Leben braucht. Laut Studie mehrerer Institute verbringt der Nutzer durchschnittlich 3 Stunden pro Tag auf den sozialen Platzformen und dabei ist die reine Smartphone Nutzung nicht mitinbegriffen. Eine wertvolle Zeit, die Nutzer sicherlich anders nutzen könnten.


An dieser Stelle beende ich meine Gedanken und übergebe dem Leser den heutigen Impuls.
Bildnachweis: Pixabay